
Die Welt schreibt nicht nur in lateinischen Buchstaben – im Gegenteil. Milliarden Menschen nutzen Schriftsysteme wie Arabisch, Chinesisch, Griechisch, Indisch, Japanisch, Koreanisch oder Armenisch im Alltag. Genau hier setzt die Arbeit der Granshan Foundation seit Jahren an: Sie stärkt die Sichtbarkeit und Qualität von Schriften außerhalb des lateinischen Systems. Mit dem neuen Granshan Bloom Award 2026 rückt nun erstmals die Anwendung dieser Schriften im Kommunikationsdesign in den Mittelpunkt.
Der Wettbewerb steht unter dem Leitgedanken „Kommunikationsdesign beyond Latin“. Im Fokus stehen nicht mehr nur Schriftentwürfe selbst, sondern deren Einsatz in realen Designkontexten – von Editorial-Projekten bis hin zu Branding und Motion Graphics. Damit wird deutlich: Typografie ist nicht nur Form, sondern gelebte Kommunikation in unterschiedlichen kulturellen Räumen.
Dass dieser Schritt konsequent ist, zeigt ein Blick in die Geschichte. Der Granshan Base Award entstand 2008 aus einem armenischen Schriftwettbewerb des Kulturministeriums. Nach dessen Abschluss gründeten Schriftbegeisterte gemeinsam mit der Typographischen Gesellschaft München eine internationale Organisation – und legten den Grundstein für eine Plattform, die nicht-lateinische Schriftsysteme gezielt fördert.
Mit dem Bloom Award erweitert Granshan nun seinen Fokus. Die Anwendung steht im Zentrum, bewertet von Expert:innen, die selbst Muttersprachler:innen der jeweiligen Schriftsysteme sind. So entsteht eine fundierte, kulturell sensible Perspektive auf Gestaltung jenseits des Lateinischen.
Zum Start umfasst der Wettbewerb acht Schriftgruppen:
In Zukunft sollen weitere Systeme wie Kyrillisch, Georgisch, Hebräisch oder panafrikanische Schriften hinzukommen.
Eingereicht werden können Projekte in neun Kategorien – darunter Editorial, Plakatdesign, Packaging, Websites, Motion Graphics, Kampagnen, Branding, Leitsysteme und experimentelle Arbeiten. Die Bandbreite zeigt: Nicht-lateinische Typografie ist längst integraler Bestandteil globaler visueller Kommunikation.

Die Bewertung übernimmt eine international besetzte Jury mit muttersprachlicher Expertise für jedes Schriftsystem. Bereits bestätigt sind unter anderem:
Diese Perspektivenvielfalt ist entscheidend, denn Schrift ist immer auch kulturelle Identität. Nur wer die Sprache und ihre visuelle Tradition versteht, kann Design wirklich beurteilen.
Auch bei den Teilnahmegebühren setzt der Wettbewerb auf Zugänglichkeit: Studierende und Freelancer zahlen weniger als kleine und mittlere Studios, diese wiederum weniger als große Unternehmen.
Neben der Auszeichnung bietet der Bloom Award vor allem eines: internationale Aufmerksamkeit. Teilnehmende profitieren von der globalen Reichweite der Granshan-Netzwerke und Medienpartnerschaften. Ausgewählte Arbeiten werden Teil einer Online-Ausstellung; zusätzlich ist eine Wanderausstellung geplant, die Projekte weltweit an Partnerstandorten präsentiert.
Damit schafft der Wettbewerb nicht nur Anerkennung, sondern auch Austausch – zwischen Kulturen, Gestalter:innen und Schriftsystemen.

In einer globalisierten Designwelt wird deutlich: Typografie ist nie neutral. Sie ist Sprache, Kultur und Identität zugleich. Wer ausschließlich in lateinischen Kategorien denkt, verpasst einen Großteil visueller Realität.
Der Granshan Bloom Award macht genau das sichtbar. Er zeigt, wie vielfältig Kommunikationsdesign sein kann, wenn es über das Lateinische hinausblickt – und wie wichtig es ist, diese Vielfalt aktiv zu fördern.